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Software Liability

Was ein Software-Sachverständiger wirklich untersucht

Warum Softwarefehler selten nur ein technisches Problem sind

Cem Dinc 18. März 2026 3 min

Softwarefehler sind selten nur ein technisches Detail

Wenn ein technischer Schaden entsteht und Software beteiligt ist, wird häufig zunächst nach einem einfachen Grund gesucht: ein Programmierfehler.

In der Praxis ist die Situation jedoch meist deutlich komplexer.

Als Software-Sachverständiger werde ich häufig in Situationen hinzugezogen, in denen geklärt werden muss, ob ein Softwarefehler tatsächlich die Ursache eines Schadens war.

Viele Unternehmen sind überrascht, was in solchen Fällen tatsächlich untersucht wird.

Ein Gutachten untersucht nicht nur den Code

Die Analyse konzentriert sich selten ausschließlich auf einzelne Programmzeilen.

Vielmehr wird versucht zu verstehen, wie ein System entstanden ist und welche Entscheidungen während der Entwicklung getroffen wurden.

Dazu gehören unter anderem folgende Aspekte:

  • - Softwarearchitektur und Systemdesign
  • - Anforderungen und technische Spezifikationen
  • - Versionsstände der Software
  • - Teststrategien und Testabdeckung
  • - bekannte Fehler und deren Behandlung
  • - Änderungen durch Softwareupdates
  • - Dokumentation von Entwicklungsentscheidungen

Diese Punkte helfen zu beurteilen, ob ein Produkt aus technischer Sicht als ausreichend sicher und nachvollziehbar entwickelt wurde.

Viele Schäden entstehen durch strukturelle Probleme

Interessanterweise zeigt sich in vielen Fällen ein wiederkehrendes Muster.

Der Schaden entsteht nicht unbedingt durch einen einzelnen Programmierfehler.

Oft liegt die Ursache vielmehr in strukturellen Problemen innerhalb der Entwicklung.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • unklare Anforderungen
  • unzureichende Tests
  • fehlende Nachvollziehbarkeit von Änderungen
  • unzureichende Dokumentation
  • fehlende Bewertung technischer Risiken

Diese Aspekte können in Haftungsfällen eine entscheidende Rolle spielen.

Software wird zunehmend zum Haftungsthema

Mit zunehmender Digitalisierung werden immer mehr Produkte durch Software gesteuert.

Dadurch wächst auch die Bedeutung technischer Analysen bei Schadensfällen.

Insbesondere neue regulatorische Entwicklungen wie die EU Product Liability Directive führen dazu, dass Software stärker als haftungsrelevanter Bestandteil eines Produkts betrachtet wird.

Unternehmen stehen daher zunehmend vor der Frage, ob ihre Entwicklungsprozesse auch aus rechtlicher Perspektive ausreichend nachvollziehbar sind.

Warum Geschäftsführer dieses Thema verstehen sollten

Softwarequalität ist längst nicht mehr nur ein Thema für Entwickler.

Sie wird zunehmend zu einer Frage der Unternehmensverantwortung.

Wenn Schäden entstehen und Software beteiligt ist, rücken häufig auch organisatorische Entscheidungen und Entwicklungsprozesse in den Fokus der Analyse.

Gerade für Geschäftsführer und technische Leiter ist es daher sinnvoll zu verstehen, wie solche Untersuchungen typischerweise ablaufen.

Fazit

Ein Softwarefehler ist selten nur ein einzelner Fehler im Code.

In vielen Fällen zeigt sich erst bei genauer Analyse, welche technischen und organisatorischen Faktoren tatsächlich zu einem Schaden geführt haben.

Die technische Nachvollziehbarkeit von Entwicklung, Tests und Entscheidungen gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.


Hinweis:

Für Geschäftsführer und technische Entscheider biete ich derzeit eine kostenlose und unverbindliche 30-minütige Einführung zum Thema Softwarehaftung, technische Gutachten und neue regulatorische Entwicklungen an.

In diesem kurzen Termin erläutere ich, welche Aspekte in Schadensfällen typischerweise untersucht werden und welche Fragen für Unternehmen künftig wichtiger werden.